Pressespiegel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutsch-brasilianischer Abend in Horbruch: Die Sehnsucht lebt in den Tänzen weiter

 

 

  Horbruch/Laufersweiler - Es sind Bilder, wie sie sonst eher im Kino zu sehen sind: Festlich gekleidet schweben junge Damen an der Seite ihrer Tanzpartner übers Parkett. Augenblicke später geleiten die Herren der Gauchotanzgruppe ihre Partnerinnen mit schwingenden Schwertern durch den Gemeindesaal Horbruch. Die rund 300 Besucher aus der gesamten Umgebung sind begeistert von dem temperamentvollen Auftritt ihrer Gäste aus der südbrasilianischen Stadt Teutonia. Gastgeber des deutsch-brasilianischen Heimatabends war der Verein "Akkordeon-Orchester und Musikfreunde Hunsrück".

 

Vorsitzender Freimut Stephan und Ehefrau Erika, die Leiterin des Orchesters, waren schon 13 Mal im Bundesstaat Rio Grande do Sul. Dreimal zu Konzertreisen mit dem Verein mit Orchester, Mundharmonikagruppe und Gesangsgruppe Hirschbachlerchen. Der Besuch deutschstämmiger Bürgermeister im Hunsrück hatte sie 1995 für das Auswandererland begeistert. Armut und Hunger hatten im frühen 19. Jahrhundert viele Hunsrücker veranlasst, ihre Heimat zu verlassen (worüber Edgar Reitz ja gerade in der nahen Umgebung einen Kinofilm dreht...). Ihre Sehnsucht habe die fast 200 Jahre überdauert, weiß Erika Stephan.

 

Die jungen Tänzer sparten jahrelang, um das Land ihrer Vorfahren besuchen zu können. Gelegenheit dazu bietet die Teilnahme der 100-köpfigen Tanzgruppe an der Internationalen Begegnungswoche ab 30. Juli im westfälischen Laggenbeck. Auch von dort wanderten damals viele Menschen nach Rio Grande do Sul ins Dorf Westfalia aus. Mit den Tanzgruppen wollten sie "die Tradition unserer deutschen Vorfahren bewahren", erklärt Leuwo Ahlert, Präsident der Gruppe, die mit 25 Tänzern drei Tage im Hunsrück war.

 

Sie übernachteten bei Familien in Laufersweiler, Horbruch und Umgebung. Das Miteinander und die Ausflüge wie etwa an den Rhein waren laut Stephan "einfach nur schön". Auch würden sie bei ihren Besuchen immer herzlich aufgenommen und hätten erst in Brasilien gelernt, wie unkompliziert das machbar sei. Tanzleiterin Glaci Dickel freute sich, dass die jungen Leute so viel Spaß hatten.

 

Sie hätten viel gesehen, bestätigt Vera Schmitz: "Meine Eltern würden nicht glauben, wie schön das hier ist."  

 

Begeistert war auch das Publikum im 2011 umgebauten Saal. "Super klasse" sei das, lobte Irmtraud Giehl aus Laufersweiler. Wolfgang Heringer war froh, aus Zell/Mosel hergekommen zu sein. Man könne gemütlich zusammen sitzen und sogar Plattdeutsch sprechen - die brasilianischen Freunde tun dies auch.

 

 

 

Quelle: Nahe-Zeitung vom 20.07.2012